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Schulterinstabilitäten



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Die sog. ( Perthes- ) - Bankart Läsion - der Riss der vorderen unteren Knorpellippe - ist ein wichtiger von mehreren Faktoren, welche eine Schulter instabil machen.


Hier erfahren Sie:

Was ist eine Schulterinstabilität ?

Was merkt man bei einer Schulterinstabilität ?

Klassifikationen für Schulterinstabilitäten

Wen trifft die Schulterinstabilität vorwiegend ?

Wie entsteht eine Schulterinstabilität ?

Wer hat ein erhöhtes Risiko für eine instabile Schulter ?

Wie stellt man eine Schulterinstabilität fest ?

Nichtoperative / konservative Therapie von Schulterinstabilitäten

Wie werden Schulterinstabilitäten operiert ?

Wie ist die Nachbehandlung operierter Schulterinstabilitäten ?

Wie verhält es sich mit der Arbeitsfähigkeit nach Operationen von Schulterinstabiltäten ?

Wie ist die Prognose von Schulterinstabilitäten ?




Was ist eine Schulterinstabilität ( Definition ) ?

Man unterscheidet Instabilitäten von Ausrenkungen ( sog. Luxationen ). Handelt es sich um eine Ausrenkung, dann springt die Kugel des Oberarmes komplett aus der Pfanne. Das ist auf dem Bild oben zu erkennen. Ausrenkungen ereignen sich in den meisten Fällen bei einem Unfall. Bei einer Ausrenkung springt der Oberarmkopf in weit über 90 Prozent der Fälle nach vorne heraus. Selten gibt es Ausrenkungen nach unten, hinten oder ganz selten nach oben.

Unter Schulterinstabilitäten versteht man in der Orthopädie chronische Ausrenkungen der Schulter. D.h. der Oberarmkopf und Pfanne trennen sich nicht komplett, sondern es besteht ein vermehrtes Spiel zwischen Oberarmkopf und Pfanne. Der Oberarmkopf bewegt sich in der Pfanne wesentlich mehr als üblich. Instabilitäten gibt es auch an anderen Gelenken, wie zum Beispiel dem Ellenbogen oder Knie.



Was merkt man bei einer Schulterinstabilität ( Symptome ) ?

Ausrenkungen wie auch Schulterinstabilitäten können ausgesprochen schmerzhaft sein. Ausrenkungen haben vielfach einen "akuten" Charakter; im Moment der Ausrenkung empfindet der Betroffene sehr heftige Schmerzen und merkt, dass er den Arm nicht mehr unter Kontrolle hat. Bei kleinsten Bewegungen treten sofort Schmerzen auf. Erst nach der Einrenkung findet der Betroffene Ruhe.

Schulterinstabilitäten haben einen chronischen Charakter. Sie schmerzen phasenweise und bei bestimmten Bewegungen. Sie können auch u.U. wie eine Einklemmung unter dem Schulterdach ( Impingement ) für den Behandler erscheinen. Manche Patienten beschreiben ein Schnappen oder Klicken in der betroffenen Schulter. Sie haben das Gefühl, dass ihre Schulter instabil ist. Manchmal haben die Patienten das Gefühl die Schulter renke immer wieder vollständig aus und sie könnten sie selbsttätig wieder einrenken. Dabei ist oft zu beobachten, daß es sich um atraumatische Schulterinstabilitäten handelt, welche diesen Eindruck dem Betroffenen vermitteln. Es handelt sich dann meistens um Teilausrenkung ( sog. Subluxationen ). Der Oberarmkopf schnappt in Teilen aus der Schulterpfanne und springt dann spontan wieder zurück in seine Ausgangsposition.
Ein Instabilitätsgefühl in der Schulter, d.h. man hat das Gefühl die Schulter gehe rein und raus bzw. schnappe hin und her, kann auch die Ursache in einer SLAP Läsion haben. Das ist ein Abriss der Knorpellippe an der Schulterpfanne, aber nicht vorne unten sondern oben. Es gibt auch Übergänge zwischen den Bankart und SLAP Läsionen, und zwar die SLAP 5, 6 und SLAP 7 Läsion.


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Absprengung der vorderen, unteren Schulterpfanne, im Rahmen eines Sturzes auf die Schulter mit Ausrenkung.


Klassifikationen für Schulterinstabilitäten:

Für Schulterinstabilitäten exisitieren zahlreiche Klassifikationen.
Nach Akutheitsgrad unterscheidet man akute von chronischen Schulterinstabilitäten.
Hinsichtlich der Richtung der Ausrenkung trennt man vordere ( anteriore ) Schulterinstabilitäten von hinteren ( dorsalen bzw. posterioren ), unteren ( inferioren bzw. kaudalen ) und oberen ( Luxatio erecta ) sowie multidirektionalen. Die Schulterinstabilitäten in einer der zuvorgennannten Richtungen nennt man auch unidirektionale Schulterinstabilitäten. Unidirektionale Schulterinstabilitäten machen etwa 90% der Fälle aus.
Tritt eine Schulterinstabilität nach einem Unfall auf, klassifiziert man sie als traumatische Schulterinstabilität. Davon sind atraumatische bzw. die sog. gewohnheitsmässigen ( = habituellen ) Schulterinstabilitäten abzugrenzen.
Mit Hinblick auf die Beeinflussbarkeit der Schulterinstabilität werden unwillkürliche von willkürlichen unterschieden.
Anhand des Schadens an der Knorpellippe ( sog. Bankart Läsion ) unterscheidet man erst-, zweit- und drittgradige Schäden, wobei es sich bei den drittgradigen Bankart Verletzungen um knöcherne Verletzungen an der Schulterpfanne handelt ( Bild oberhalb ).
Nach der Anzahl der Ausrenkungsrichtung /-en unterscheidet man Schulterinstabilitäten, die unidirektional - in eine Richtung - auftreten von den multidirektionalen Schulterinstabilitäten, welche in mehrere Richtungen, z.B. oft nach vorne und unten, auftreten.
Mit Hinblick auf wissenschaftliche Arbeiten gibt es zahlreiche weitere Einteilungen von Schulterinstabilitäten.


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Umgekehrte / reverse Hill Sachs Delle, vorne am Oberarmkopf, nach
hinterer Schulteraurenkung / hinterer Schulterinstabilität.


Wen trifft die Schulterinstabilität vorwiegend ( Epidemiologie ) ?

Schulterinstabilitäten kommen in jedem Alter vor. Gehäuft trifft man die traumatischen Instabilitäten zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr an. Dann sind überwiegend Männer betroffen. Willkürliche Ausrenkungen treten oft zwischen dem 10. und 20. Lebensjahr auf. Hier scheint das weibliche Geschlecht leicht zu überwiegen. Habituelle / rezidivierende, d.h. gewohnheitsmässige Schulterinstabilitäten trifft man bei beiden Geschlechtern und in etwa zwischen dem 20. und 60. Lebensjahr an. Multidirektionale Schulterinstabilitäten kommen vermehrt bei Frauen vor und haben ihre Hauptverteilung zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr.



Wie entsteht eine Schulterinstabilität ( Ätiologie ) ?

Das Schultergelenk wird im Wesentlichen durch Muskeln sowie die Schulterkapsel und deren Bänder stabilisiert. Darüberhinaus sind weitere Stabilisatoren: Die Knorpellippe am Schulterpfannenrand ( das sog. Labrum bzw. Limbus glenoidalis ), der Unterdruck im Gelenk und die knöcherne Formgebung. Naturgemäss ist die Schulterpfanne relativ klein und der Oberarmkopf recht gross. Das Schultergelenk ist einerseits eines der beweglichsten Gelenke des menschlichen Körpers und andererseits macht diese Konstruktion die Schulter anfälliger für Instabilitäten.

Durch eine Sturz / Unfall können diese Stabilisatoren verletzt werden. Man spricht dann von einer "traumatischen Schulterinstabilität". Bei dem Unfall / Sturz tritt am häufigsten ein Abriss der vorderen Knorpellippe an der Schulterpfanne auf, welches man als Bankart Läsion bezeichnet. In Verbindung mit dieser Bankart Läsion reissen oft die vordere untere Schultergelenkkapsel und deren Bänder ein.
Andererseits können diese Stabilisatoren anlagebedingt zu schwach angelegt sein. Man hat schwaches oder zu elastisches Sehnen- und / oder Weichteilgewebe / zu schwache Bänder. Was man in solchen Fällen als "atraumatische Schulterinstabilität" bezeichnet. Bei diesen Patienten reichen Gelegenheitsursachen und Bagatellverletzungen aus, um die Schulter instabil werden zu lassen / zum Auskugeln zu bringen. Die Ursachen der atraumatischen Schulterinstabilitäten sind anlagbedingt, d.h. meistens angeboren. Durch das elastische / weiche Sehnen- und Weichteilgewebe hat der Oberarmkopf in der Schulterpfanne zu viel Spiel und kann bei geringen Anlässen teilausrenken ( sog. " Subluxation " ) oder vollständig auskugeln ( sog. "Schulterluxation" ).
Die Unterscheidung von traumatischen und atraumatischen Schulterinstabilitäten ist in der Praxis sehr wichtig, weil sich danach das therapeutische Vorgehen und ggf. Operationsverfahren richten.

In der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle ist für eine Schulterausrenkung ein Unfall verantwortlich. Oft handelt es sich um ein Erstereignis, das so einschneidend für die Betroffenen war, dass sie sich an das Datum und Ereignis sowie die Bewegung noch nach Jahren erinnern können. In erster Linie in Abhängigkeit vom Alter - aber auch anderen Faktoren - kommt es nach einem solchen "Erstereignis" zu wiederholten Ausrenkungen. Es kommt deshalb zu wiederholten Ausrenkungen und Teilausrenkungen, weil ein Teil der Stabilisatoren durch den Unfall geschädigt wird. Die Knorpellippe kann abreissen, die stabilisierenden Bänder in der Schulterkapsel können zerreissen oder überdehnt werden. Ein knöchernes Stück aus der Schulterpfanne kann abbrechen, uvm.


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Röntgenbild der rechten Schulter, welche nach hinten ausgerenkt ist.


Neben Verletzungen findet man selten "willkürliche Ausrenkungen ". Der Betroffene - nicht selten Jugendliche - kann auf Kommando die Ausrenkung eindrucksvoll vorführen und selbstständig den Arm auch wieder einrenken.

Schulterinstabilitäten entstehen entweder anlagebedingt ( der Kapsel- und Bandapparat ist sehr elastisch angelegt ) oder durch wiederholte Mikrotraumen. Wiederholte Mikrotraumen beobachtet man insbesondere bei langjährigen Überkopfsportlern. In unseren Breitengraden sind dies besonders Handballer ( aber auch Schwimmer, Volleyballer, Speerwerfer, u.a. können betroffen sein ). Im angloamerikanischen Raum stehen - gesellschaftsbedingt - Sportarten wie Baseball und Football als Ursache im Vordergrund. Man spricht auch von der sog. "Werferschulter". Schulterinstabilitäten beim Überkopfsportler, welche mit einem Riss im Rotatorenintervall und einem Teilriss an der Unterfläche der Infraspinatussehne einhergehen, bezeichnet man als APIT Läsion ( APIT = " anteroposterior instability in the throwing athlete " ).


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Knöcherne Pfannenabbrüche ( rechts ) können zu einer deutlichen Schulterinstabilität führen.


Wer hat ein erhöhtes Risiko für eine instabile Schulter ?

Anfällig für Schulterinstabilitäten sind Überkopfsportler, die eine Kontaktsportart wie Handball, Football, Kampfsportarten, etc. ausüben. Darüberhinaus können andere Überkopfsportarten, wie z.B. Schwimmen, Tennis, Baseball, u.ä. zu einer chronischen Schulterinstabilität, ggf. Werferschulter, durch Mikrotraumen beim Sport führen.



Wie stellt man eine Schulterinstabilität fest ( Diagnostik ) ?

Bei der akuten Schulterausrenkung wird eine kurze Vorgeschichte erhoben. Der Arm ist wegen der massiven Schmerzen und Gebrauchsunfähigkeit meistens kaum untersuchbar. Entscheidend ist das Röntgenbild der Schulter. Es zeigt oft bereits in der ersten Ebene die Auskugelung der des Oberarmkopfes aus der Schulterpfanne und manchmal die vereinzelt auftretenden knöchernen Abbrüche der Schulterpfanne, in einer zweiten Ebene.

Bei chronischen Schulterinstabilitäten dient das Röntgenbild der ersten Übersicht. Es liefert Informationen über ältere knöcherne Pfannenabbrüche und über das Ausmass eines eventuell bereits entstandenen Verschleiss im Schulterhauptgelenk ( Omarthrose ).

Die Sonographie / Ultraschalluntersuchung kann einen Gelenkerguss in der Schulter zeigen, z.B. infolge frischer Einblutung nach Schulterluxation. Sie kann bedingt die Knorpellippe am Schulterpfannenrand darstellen und liefert Hinweise für Begleitverletzungen wie Abrisse der Rotatorenmanschette.


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Ultraschallbild linke Schulter, Rückseite: Einkerbung hinten am Oberarmkopf nach dreimaliger Schulterausrenkung ( sog. Hill-Sachs Delle ).


Wertvoll in der Diagnostik von Schulterinstabilitäten ist vor allem die Kernspintomographie. Sie wird mit und ohne Kontrastmittel ( wie z.B. Gadolinium ) durchgeführt. Das Kernspintomogramm der Schulterinstabilität zeigt z.B. Abrisse der Knorpellippe an der Schulterpfannen sehr gut. Begleitverletzungen in Form von Rotatorenmanschettenrissen kann man gut erkennen wie auch knöcherne Quetschungen ( sog. "Bone Bruise" ) oder Aufbrüche am hinteren äusseren Oberarmkopf ( sog. "Hill Sachs Läsionen" ). Man erhält Informationen über begleitenden Einrisse der Gelenkkapsel oder auch SLAP Läsionen.

Die Computertomographie ( "CT" abgekürzt ) steht in der Diagnostik der Schulterinstabilitäten dann im Vordergrund, wenn es darum geht die knöcherne Formgebung und knöcherne Schäden zu beurteilen. Man erhält wertvolle Informationen über die knöcherne Form der Schulterpfanne und kann z.B. Pfannenabbrüche dreidimensional sehr gut darstellen.

Die Schulterarthroskopie: Sie ist der Goldstandard in der Diagnostik. Die verletzten Strukturen in der Schulter können in Narkose / Leitungsanästhesie mit dieser arthroskopischen Spiegelung der Schulter - durch´s Schlüsselloch - bei Schulterinstabilitäten direkt betrachtet und untersucht werden. Wie es in einem instabilen Schultergelenk aussieht, können Sie sich hier ansehen.
In der Regel schliesst sich in gleicher Operationssitzung das arthroskopische Stabilisierungsverfahren an.



Wie behandelt man Schulterinstabilitäten ( Therapie ) ?

Behandlungsziel:
Man möchte eine stabile und belastbare Schulter erreichen, welche schmerzfrei bewegt werden kann.



Nichtoperative / konservative Therapie von Schulterinstabilitäten:

Schulterluxation: Das Wort Luxation bedeutet "Auskugelung", und zwar an der Schulter die Auskugelung / Ausrenkung des Oberarmkopfes aus der Schulterpfanne. Das ist ein akutes Ereignis und Notfall. Es bedarf der sofortigen und schonenden Reposition, d.h. dem Einrenken des Schulter - mit oder ohne Narkose. Danach ist es wichtig, abzuklären warum die Schulter ausgerenkt ist und welche Schäden die Luxation der Schulter im Hauptgelenk hinterlassen hat. Eine diagnostische Abklärung mittels eines Kernspintomogrammes ist in solchen Fällen sinnvoll. Danach kann, zur Schmerzlinderung, für einige Tage ein Schulterverband getragen werden.

Schulterinstabilitäten: Durch eine gezieltes Muskelaufbauprogramm gelingt es eine Operation zu vermeiden. Das sollte unter Anleitung eines Physiotherapeuten geschehen. Es ist das Ziel der Krankengymnastik bei der Schulterinstabilität die Muskulatur aufzutrainieren und das Laufverhalten der Schulter stabiler zu machen. Die Krankengymnastik kann die Schäden in Form der Abrisse der Knorpellippe oder die Kapseleinrisse nicht beseitigen. Sie arbeitet indirekt indem sie die anderen Stabilisatoren, vor allem die Schulter umgebende Muskulatur, auftrainiert.
Man verwendet bei der Physiotherapie / Krankengymnastik der Schulterínstabilität auch Trainingsgeräte /-vorrichtungen wie das Theraband, Bodyblade oder FLEXI-BAR. Sie dienen zum Kräftigen der Schultermuskulatur und tragen derart zur Stabilisierung der Schulter bei.
Für viele Patienten ist nach einer Auskugelung der Schulter die Krankengymnastik die erste therapeutische Anlaufstelle. Eine Ausnahme stellen junge / Hochleistungssportler und Überkopfsportler dar. Sie sollten direkt operativ stabilisiert werden.
Verbleiben die Beschwerden der Schulterinstabilität nach einem solchen Übungsprogramm, mündet das in einer stabilisierenden Operation. Diese kann in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle arthroskopisch / endoskopisch durchgeführt werden.

Patienten, die willkürliche Ausrenkungen vorführen können, sollten das dauerhaft unterlassen. Die Prognose der Spontanheilung - nach einigen Jahren - ist gut. Operationen willkürlicher Ausrenkungen führen häufig nicht zum gewünschten Erfolg.


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Coracoidverschraubung ( roter Pfeil ): Verschraubung des Rabenschnabelfortsatzes ( Coracoid ) nach komplizierter vorderer Schulterluxation


Wie werden Schulterinstabilitäten operiert ?

Als allgemeine Hinweise kann man nennen:
Ausrenkungen: In Abhängigkeit vom Alter empfiehlt man den Betroffenen abzuwarten oder sich operieren zu lassen. In letzter Zeit geht der Trend zur frühzeitigen endoskopischen Stabilisierung, und zwar bei jungen Patienten ( 90% Wahrscheinlichkeit einer Folgeausrenkung ) direkt nach deren Erstausrenkung.
Als allgemeine Leitlinien gilt: Je jünger eine Person mit einer Erstausrenkung ist ( z.B. 20.-40. Lebensjahr ) desto eher sollte man operativ stabilisieren, da die Wahrscheinlichkeit erneuter Ausrenkungen bei diesem Personenkreis durchaus bei 90% liegt. Je älter ein Betroffener ist ( 60 Jahre und aufwärts ) desto eher wird man dazu neigen abzuwarten, weil die Wahrscheinlichkeit erneuter Ausrenkungen recht gering ist.
Weiterhin gilt als allgemeiner Leitsatz: Je weniger Ausrenkungen stattgefunden haben ( 2 - 5 Ausrenkungen ), desto besser sind die Ergebnisse einer endoskopischen Stabilisierung. Haben mehr Ausrenkungen stattgefunden, wird man einen offen operativ stabilisierenden Eingriff durchführen. Die überwiegende Mehrzahl der Stabilisierungsoperationen wird heutzutage rein endoskopisch durchgeführt. Man unterscheidet arthroskopisch / endoskopische von offenen Stabilisierungsoperationen.


In der Literatur werden weit über 100 offene und arthroskopische stabilisierende Verfahren für Schulterinstabilitäten abgehandelt.



Arthroskopische Operationsverfahren für Schulterinstabilitäten ( Schlüssellochoperationen ):

Bei den arthroskopischen Schulterstabilisierungen operiert man über etwa 2 bis 4 kleine, etwa 0,5 bis 1 cm lange Schnitte, unter Verwendung einer Endoskopiekamera. Die arthroskopische Operation der Schulterinstabilität wird entweder in Seitenlage oder in Rückenlage, in der sog. Beach Chair Position, durchgeführt.


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Arthroskopische Rekonstruktion mit bioresorbierbaren Ankern bei einer abgerissenen Knorpellippe.


Bankart Operation: Die arthroskopische Bankart Operation ist ein sehr häufig zur Schulterstabilisierung durchgeführtes OP Verfahren. Mittels kleiner Nahtanker bzw. selbstauflösender / bioresorbierbarer Schrauben oder Dübeln, welche mit Fäden armiert sind, wird die abgerissene Knorpellippe am vorderen Schulterpfannenrand aufgenäht. Gerissene Schulterkapselanteile werden mit derartigen Nähten rekonstruiert.

Die pankapsuläre Plicatur ist ein Verfahren bei dem man arthroskopisch, durch´s Schlüsselloch, die anlagebedingt geweitete Schulterkapsel rafft. Dazu werden manchmal Anker und vor allem endoskopisch plazierte Nähte verwandt, welche durch die geweitete Schulterkapsel gelegt und am Schulterpfannenrand / Knorpellippe fixiert werden.

Ein Miniplicatur kann man im Rotatorenintervall ( dem Raum zwischen Subscapularis- und Supraspinatusmuskel, innen und vorne oben an der Schulter ) unterstützend zur o.g. Bankart Naht durchführen. Eine Miniplicatur kann bei bestimmten Formen der Instabilität bzw. Instabilitätsimpingement / posterosuperiorem Impingement an den vorderen, unteren, Kapselbändern durchgeführt werden.


Video ( 2.09 Min ): So wird die Schulter arthroskopisch stabilisiert.


Offene Operationsverfahren für Schulterinstabilitäten:

Offene Operation zur Stabilisierung der Schulterinstabilität werden über 5 bis 10 cm lange Hautschnitte durchgeführt. Diese Schnitte leigen meistens an der Vorderseite der instabilen, zu operierenden, Schulter.

Die offene Bankart Operation ist ein klassisches Verfahren. D.h. die abgerissenen Knorpellippe wird mittels offen gesetzter Nahtanker / bioresorbierbarer Schraubenbzw. Dübeln am vorderen Schulterpfannenrand angeheftet. Im Gegensatz zur arthroskopischen Bankart OP geht man offen operativ vor, wenn beispielsweise zahlreiche Auskugelungen der Schulter bereits vorausgegangen sind ( 5 bis 10 und mehr ), wenn der Flurschaden im Schultergelenk durch die Auskugelungen hoch ist ( grosser Hill Sachs Defekt ) oder wenn z.B. vorherige arthroskopische Stabilisierungsoperationen versagt haben.

Die Kapselshiftoperation ( sog. "Capsular Shift" ) ist ein gebräuchliches und gängiges offenes Operationsverfahren zur Raffung der Schulterkapsel bei multidirektionalen Schulterinstabilitäten. Je nach zu raffendem Kapselanteil / Instabilitätsrichtung wird die Kapselshiftoperation T-förmig, H-förmig, längs oder mit querem Einschnitt der Schulterkapsel und anschliessender Raffung und Naht durchgeführt.

Knochenblockoperationen wie der J-Span oder die Operation in der Technik nach Latarjet / Trillat sind ebenso regelmässig durchgeführte Operationsverfahren zur Behandlung der Schulterinstabilität. Knochenanteile, z.B. vom Rabenschnabelfortsatz des Schulterblattes ( Coracoid ) werden nach vorne, vor den vorderen Schulterpfannenrand, versetzt und dort verschraubt, um die Schulter zu stabilisieren.



Warum sollte man überhaupt operativ stabilisieren ?

1. Bei jeder Ausrenkung besteht die Möglichkeit, dass ein gewisser Nerv - der Axillarisnerv - eingeklemmt oder durch Druck / Zug, im Moment des Ausrenkungsereignisses, geschädigt wird und das mit einem bleibenden Nervenausfall ( Taubheitsgefühl oder Teil- / Lähmung des Armes ) einhergeht.

2. Die Wiederholungsausrenkungen sind häufig ausserordentlich schmerzhaft.

3. Mit jeder Ausrenkung können mehr Strukturen in der Schulter zerstört werden ( Knorpellippe, Kapsel, Knorpel, Pfannenrandknochen, Oberarmkopfknochen ) und einem Verschleiss Vorschub leisten.

Der Zufriedenheitsgrad der Patienten nach den o.g. stabilisierenden OP Verfahren ist hoch. Je nach wissenschaftlicher Studie liegt er zwischen 75 bis 100%. Das Risiko einer erneuten Auskugelung der Schulter, nach einem stabilisierenden Operationsverfahren, liegt bei etwa 10 Prozent.


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Selten: Auskugelung der Schulter nach hinten mit verhaktem Oberarmkopf am hinteren Schulterpfannenrand.


Wie ist die Nachbehandlung operierter Schulterinstabilitäten ( Rehabilitation ) ?

Bei der arthroskopischen Bankart Naht, d.h. dem endoskopischen Annähen der abgerissenen Knorpellippe, in Verbindung mit der Kapselrekonstruktion, wird der Arm in etwa 4 bis 6 Wochen in einem Schulterverband ruhiggestellt. Unmittelbar nach der Operation werden eine Schulterschiene angelegt und Schmerzmittel verabreicht. Örtlich wird eine Kryotherapie angewandt. Es wird eine frühfunktionelle Nachbehandlung durchgeführt. Eine eingelegte Drainage wird nach 24 bis 48 Stunden entfernt.
In dieser Zeit wird passiv mit der Physiotherapie / Krankengymnastik geübt. Nach Abnahme der Schulterschiene darf aktiv geübt und der Arm aktiv bewegt werden. Überkopftätigkeiten können ab der 6. Woche nach Operation begonnen werden und Kontaktsportarten, wie z.B. Handball, Fussball, Kampfsportarten, etc., können nach 6 bis 9 Monaten wieder ausgeübt werden. Eine unterstützende Therapie im Bewegungsbad unter angeleiteten Eigenübungen im Wasser können in den ersten Wochen nach der Schulteroperation sehr sinnvoll sein.



Wie verhält es sich mit der Arbeitsfähigkeit nach Operationen von Schulterinstabiltäten ?

Die Arbeitsunfähigkeitszeit hängt von einer Reihe Faktoren ab und ist individuell unterschiedlich. Im Allgemeinen kann man folgende Zeiten zur Orientierung nennen: Bürotätigkeiten können nach 1 bis 3 Wochen ausgeübt werden, schwere körperliche Arbeiten nach 8 bis 12 Wochen.



Wie ist die Prognose von Schulterinstabilitäten ?

Unbehandelt sind bei Schulterinstabilitäten zwei Gesichtspunkte kritisch:
1. Bei jeder nächsten Schulterausrenkung können Gefässe und Nerven, vor allem der Axillarisnerv, verletzt und dauerhaft - mit deutlichen Folgen - geschädigt bleiben.
2. Langfristig, vereinzelt schon nach relativ kurzer Zeit, entwickelt sich ein Verschleiss im Schulterhauptgelenk
( Omarthrose ). Er entsteht, weil es durch die Teilausrenkungen / Ausrenkungen zu Knorpelabrieb auf Schulterpfanne und Oberarmkopf kommt. Besonders kritisch ist das bei älteren Patienten mit multidirektionaler Schulterinstabilität, weil sich diese Situationen schlecht therapeutisch beherrschen lassen.



Gleiche / Ähnliche Begriffe für eine Schulterinstabilität :

Schulterausrenkung, Schulterauskugelung, rezidivierende Schulterausrenkung, rezidivierende Schulterluxation, habituelle Schulterausrenkung, habituelle Schulterluxation, gewohnheitsmässige Schulterausrenkung, Schulterverrenkung, Verrenken der Schulter, Auskugeln der Schulter, Labrumverletzung, Schulterdislokation


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